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Silvanerprobe

Am vergangenen Wochenende stand eine Silvanerprobe auf dem Programm. Zum ersten Mal in zwanzig Jahren haben wir einen ganzen Abend ausschließlich dieser Sorte gewidmet (und es nicht bereut). Schwerpunkt war der Jahrgang 2014 und mit einer Ausnahme stammten alle Weine aus Franken. Am Probenabend selbst habe ich mir nicht zu allen Weinen Notizen gemacht, aber am nächsten Tag habe ich alle Weine (bis auf einen) in Ruhe nachverkosten können.

 

2013 Horst Sauer Silvaner Sekt brut
Kräftige, zitronengelbe Farbe
In der Nase ausgeprägter Sortentyp, Birne
Das setzt sich am Gaumen fort: typisch erdige Noten, feine Perlage, schön.
87

2014 Gunderloch Silvaner x.t.
In der Nase deutlich mineralisch geprägt – das hätte ich nicht unbedingt als Silvaner identifiziert.
Am Gaumen recht voluminös, etwas Schmelz, erdig-mineralisch, aber wenig Frucht, recht lang.
Das ist schon ein erkennbar guter Werin, aber so richtig viel Spaß macht er mir nicht.
85

2014 May Retzstadter Langenberg
In der Nase ausgeprägter Sortentyp, vor allem Birne, etwas Melone
Am Gaumen recht kraftvoll, herb-erdig, mittlere Länge.
86

2014 Wirsching Iphöfer Kalb
In der Nase vergleichsweise zurückhaltender Duft.
Auch am Gaumen eher zurückhaltend, aber mit feiner Frucht. Hat etwas fast florales, leicht cremige Textur, schöne Nachhaltigkeit. Wirkt im Verglcih zu dem Retzstadter fast zart, gefällt mir aber in seiner zurückhaltend-delikaten Art besser.
88

2014 Juliusspital Iphöfer Kronsberg
Schöne Nase mit Noten von Birne und Melone
Am Gaumen recht kraftvoll, cremige Textur und durchaus spürbarer Alkohol (13,5%). Mir gefällt die etwas leichtere Art des Wirsching-Weins aber besser.
87

2014 Bürgerspital Würzburger Stein
In der Nase herb-erdig, Birne,
Am Gaumen recht kräftig, auch hier wieder Noten von Birnen, recht lebhaft.
87

2014 Juliusspital Würzburger Stein
In der Nase Birne, wirkt aber etwas weniger ausdifferenziert als der Wein vom Bürgerspital
Kraftvoll, erdig, aber auch hier wieder ein klein wenig undifferenziert.
86

2014 May Thüngersheimer Johannisberg Rothlauf GG
Die Nase wirkt noch recht verschlossen, aber es deutet sich bereits eine schöne, tiefe Frucht an. Das braucht aber noch Zeit.
Auch am Gaumen noch verschlossen, etwas Gerbstoff, viel Potential, aber der Wein braucht definitiv noch Zeit.
90+, ab 2018

2014 Horst Sauer Escherndorfer am Lumpen GG
In der Nase weiter geöffnet als der Rothlauf. Sehr schöne, mineralisch unterlegte Frucht, Birne, tabakige Noten, Maracuja.
Am Gaumen schöne, schon recht offen wirkende Fraucht; neben Birne auch hier wieder exotische Noten (Maracuja). Machr viel Spaß, aber ich bin mir nicht sicher, ob das ein Langstreckenläufer wird.
91-92

2009 Wirsching Iphöfer Julius-Echter-Berg GG
Reifes Goldgelb
Entwickelte Frucht, reife Birne, Banane, etwas Honig.
Voluminös, extraktsüß, lang und mit durchaus spürbarem Alkohol im Abgang. Eher (und wohl auch jahrgangsbedingt) auf der opulenteren Seite. Sollte bald getrunken werden.
90

2014 Juliusspital Würzburger Stein Auslese
In der Nase jung wirkend, feine Beerennote, exotische Frucht.
Am Gaumen süße Attacke, kandierte Früchte, exotisch, passende Säure.
Schöner Süßwein mit Lagerpotential.
91

2006 Horst Sauer Eschernodorfer Lump Auslese
Die Flasche wurde als einzige am ersten Tag leer, so daß für die Nachprobe am zweiten Tag nichts mehr zur Verfügung stand. Aber das ist natürlich auch eine Botschaft.

Fazit: Eine schöne Probe, die Spaß gemacht hat. Von den Weinen der Erste-Lage-Kategorie hat mir der Iphöfer von Wirsching am besten gefallen. Das GG von Horst Sauer macht jetzt schon viel Spaß – damit kann man sehr gut die Wartezeit auf den Rothlauf überbrücken. Und: Silvaner kann auch Sekt und edelsüß.

Egon Müller by surprise

Wollte gestern in Frankfurt noch ein Glas Wein trinken. Direkt neben meinem Hotel ein sehr vielversprechender Laden – das Allgaiers. Auf der Karte viele spannende offene Weine (Coravin machts möglich: https://www.coravin.de/). Direkt ins Auge sprangen mir zwei Scharzhofberger Kabinette von Egon Müller, 2008 und 2009. Die mußten es dann auch sein.

Der 2008er mit leichter Petrolnote, ausgeprägte Schiefermineralik, am Gaumen elegant, viel Schiefer, recht lang. Der 2009er in der Nase viel fruchtbetonter als der 2008er, zunächst Apfel, dann Stachelbeeren und Minze. Am Gaumen etwas opulenter, wieder schiefermineralisch, aber es fehlt die Eleganz des 2008ers.

Zwei schöne Weine, die auch gut zu dem heissen Wetter passten. Aber sind die jetzt viel besser als Weine anderer guter Erzeuger, die höchstens die Hälfte kosten?

Bordeaux 1990

Gut vier Wochen nach den 1989ern gab es dann eine Probe mit 1990ern. Ich wußte, welche Weine in den einzelnen Flights waren, kannte aber die Reihenfolge nicht. Beim Aufdecken gab es einige Überraschungen…

2011 La Tour de By (zum Aufwärmen)
In der Nase etwas marmeladig, schwer identifizierbare Frucht
Am Gaumen eher wenig Frucht, leicht grün, trocknend
84-85, 16-20

1990 Lanessan
In der Nase Cabernet-dominiert, Paprika, Schokolade, etwas Teer
Erdig, rotfruchtig, schöne Säure, “ätherisch”, überhaupt nicht alt wirkend
90, -20

1990 de Fieuzal
Schöne Nase, rotfruchtig, kühle Minzenote, mit Luft auch Schokolade
Am Gaumen elegant, präsente Säure, etwas rotfruchtig, ganz leicht trocknend, gute Länge, schön
89, -20

1990 Cros-Figeac (Saint Emilion Grand Cru)
In der Nase Teeblätter (!), sehr intensiv und tief, dunkle Früchte
Am Gaumen generöse Süße, etwas Teer, trotz der Kraft elegant, lang
92, -18

1990 Pavie
Tolle Nase, Kirsche, tief
Am Gaumen fruchtsüß, schöne Konzentration, weiches Tannin, leicht trocknend
91, -20

1990 La Gaffeliere
In der Nase recht druckvoll, gereifte Aromen: Laub, Pilze, Liebstöckel, etwas Kirsche
Am Gaumen gereift, etwas salzig, Leder, leicht trocknendes Tannin
90, -16

1990 Ducru-Beaucaillou
Tolle Nase, sehr elegant, Heidelbeere, Lirsche, Kirschlikör
Am Gaumen seidenweich, elegant, mineralisch, trotz der Eleganz kernig, ganz sauberes und nicht trocknendes Tannin, lang
94, -20+

1990 Leoville-Barton
In der Nase kräutrig, etwas Teer, Heidelbeeren
Kernig, Kirsche, spürbares Tannin, Potential
95+, 16-25

1990 Pichon-Lalande
Grandiose Nase, intensiv, Heidelbeeren, tief, elegant, etwas Teer
Nahezu perfekt: Großartige dunkle Frucht, super elegant, perfektes Tannin
97+

1990 Lynch-Bages
Kork – sehr schade, denn dahinter scheint das ein grosser Wein zu sein

1990 Montrose
In der Nase tief, kirschig, Teeblätter, etwas Lösungsmittel
Am Gaumen tolle Frucht, Kirsche, ganz leicht trocknendes Tannin
94, -25

1990 Pavillon rouge
Schöne Nase, dunkelfruchtig, Kirsche, distinguiert
Am Gaumen elegante Kirschfrucht, kräftige Säure, ganz leicht trocknend
92, -18

1990 Palmer
Kräftige Nase, “rote Grütze” (durchaus an Burgund erinnernd), sehr intensiv, Kirsche
Am Gaumen seidenweich, sehr elegant
94, -25

Ans Ende gehört (natürlich) Riesling:

1990 Schloß Reinhardtshausen Erbacher Schloßberg Riesling Spätlese
In der Nase kräftige Frucht, Quitte
Am Gaumen reife Frucht, auch hier Quitten, kräftige Säure
86

1990 Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese
Feine und distinguierte Nase, wieder Quitte
Schöne Frucht, leichte Bitternote, kräutrig, schöne Harmonie zwischen dezenter Süße und prägnanter Säure
90 -18

Fazit: Insgesamt gefielen mir die 1990er besser als die 1989er. Wein des Abends war für mich die Comtesse. Bei diesem Wein scheint es extreme Flaschenvariation zu geben (Parker: 78 Punkte). Wir hatten hier wohl das große Los gezogen, denn unsere Flasche war nahe an der Perfektion. Da kam dann (auf hohem Niveau) selbst der Montrose nicht mit, der seinem Ruf nicht ganz gerecht wurde. Dass der Lynch-Bages (mit immerhin 99 Parker-Punkten der “Papierform” nach ein Mitbewerber um den Wein des Abends) korkte, war grosses Pech. Eine positive Überraschung war der sehr schöne Cros-Figeac, ein Wein, den keiner kannte, der aber die beiden Premier Crus aus Saint Emilion hinter sich ließ.

 

LaRiojaAlta Gran Reserva 904 – 1998

Intensive Nase nach Sauerkirsche und reifen roten Beeren gepaart mit einem animalischen Ton. Am Gaumen hohe Fruchtsäure, wirkt noch jung und vom Trinkpotenzial her aufsteigend. Schöner Körper, kein zu schwerer Wein.

92, bis 2020 mindestens

Nachgetestet, einen Tag später. Die Flasche war nur mit Kork verschlossen: Deutlich gealtert, Frucht und Jugendlichkeit verloren. In den nächsten 2-3 Jahren trinken.

RiojaAlta

Bordeaux 1989

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Ende Oktober wurden in größerter Runde 1989er Bordeaux verkostet:

1989 Poujeaux
In der Nase erwas uncharmant, fast unreif wirkend, etwas Teer.
Leicht trocknend, ordentlich gereift, spürbare Säure.
85, trinken

1989 Clarke
Kork.

1989 Caronne Ste. Gemme
Etwas rotfruchtige Nase, etwas Teer und/oder Asche.
Leicht adstringierend, wenig Frucht
85

1989 La Tour de Mons
Sehr schöne Nase, dunkelfruchtig, Heidelbeeren, elegent, etwa Teer
Auch am Gaumen fein, elegant, dunkelfruchtig. Nicht sehr nachhaltig und komplex, aber schön.
89

1989 Malartic-Lagraviere
Nase ausladend und aufdringlich, portig-rosinig
Setzt sich am Gaumen fort; zwar mit gewisser Eleganz, aber auch wieder rosinig, etwas Schoko.
83

1989 Ducro-Beaucaillou
In der Nase rotfruchtig, recht tief, leichter Korkverdacht
Am Gaumen nachhaltig, dunkelfruchtig, recht lang
88

1989 Beychevelle
Nase sehr dunkelfruchtig, etwas Teer
Am Gaumen elegent, dunkelfruchtig, nachhaltig, Paprika, schönes Spiel
91

2010 Nectar des Bertrands (Tischwein)
Nase kräftig, dunkelfruchtig, etwas rustikal
Setzt sich fort: Schöne Frucht, rustikal
86-87

1989 Pavie-Maquin
Nase recht intensic, würzig, ganz leicht rosinig, etwas Teer
Schüner Wein, wirkt jugendlich, nachaltig
90+

1989 Canon-la-Gaffeliere
Nase kräftig, recht reif
Am Gaumen leicht trocknend, Teer

1989 Troplong-Mondot
Elegante, dunkelfruchtige Nase
Auch am Gaumen elegant, wieder dunkelfruchtig
92

1989 Angelus
Auch hier teerige Nase
Nachhaltig, ganz leicht trocknend, Schokolade
91

1989 Cos d’Estournel
Nase elegent, heidelbeerig
Auch am Gaumen wunderbar elegant, dunkelfruchtig, sehr lang, komplex.
94

1989 Grand-Puy-Ducasse
Schöne Nase, rotfruchtig
Kraftvoll, rotfruchtig, recht kräftige Säure, im Vergleich zum Cos etwas rustikal, aber das ist Jammern auf sehr hohem Niveau
92

1989 Pichon-Lalande
In der Nase Brett, Leder, im Hintergrundrotfruchtig
Leicht trocknend, fliegt nicht

1988 Grand-Puy Ducasse
Da der 89er so hervorragend war und der 88er im Keller vorhanden war, mußte er dran glauben:
Schöne Nase, rotfruchtig, etwas Minze
Etwas uncharmant und unreif, nicht viel Frucht, grün, auch etwas Schokolade. Wirkt überhaupt nicht alt.
86

1989 Zilliken Saarburger Rausch Riesling Spätlese
Ans Ende einer jeden Probe gehört ein Riesling, und es mußte natürlich ein 89er sein
Goldgelb
Nase schiefrig, reif, kräutrig
Honig, Karamell, wenig Süße, Wachs, leichte Reife, wenig Länge

2010 Schubert: Maximin Grünhäuser Abtsberg
Schubert geht immer:
Kräutrige Nase
Dezente Süße, kräutrig
88

Fazit:
Die 89er wirkten überraschend jung. Wein des Abends war der Cos d’Estournel. Positive Überraschung des Abends war der 89er Grand-Puy Ducasse. Die Weine vom rechten Ufer waren nicht ganz so mein Fall, aber das sahen andere anders.

Schubert 2013

Anfang Juli haben wir ein Sixpack des Jahrgangs 2013 verkostet:

2013 Riesling trocken
In der Nase frisch, Apfel
Frisch, kräftige, aber gut integrierte Säure
86, bis 2016

2013 Abtsberg Alte Reben Riesling trocken
Nase recht konzentriert, schöne gelbfruchtige Aromatik
Auch am Gaumen hohe Konzentration trotz moderaten Alkohols (11,5%), gelbfruchtig, gut eingebundene Säure, Potential
88+, 2015-2020

2013 Bruderberg Riesling QbA
Nase kräftig, aber eher einfach
Süß-säuerlich, in der Süße etwas über feinherb
86, bis 2020

2013 Abtsberg Riesling Kabinett
Schöne gelbfruchtige Nase
Saubere Frucht, harmonisch eingebundene Säure, Potential
89+, bis 2025+

2013 Abtsberg Riesling Spätlese
In der Nase sauber, auch hier gelbe Früchte, etwas verschlossener als der Kabinett
Am Gaumen animierend, wieder gelbfruchtig, gut integrierte und reife Säure.
Dem Kabinett sehr ähnlich, aber etwas distinguierter, leicht cremiges Mundgefühl
90-91+, 2016-2030

2013 Abtsberg Riesling Auslese
In der Nase sauber und recht tief, gelbe Früchte, intensiver als die Spätlese
Am Gaumen sehr sauber, Süße wird von reifer und gut integrierter Säure bestens balanciert. Wirkt sehr harmonisch, recht lang
91+, 2017-2030+

Eine überzeugende Kollektion. Das galt im übrigen auch für die 2013er des Karthäuserhofs (guckstu hier).

 

“Bioweine”

Auf dieser Probe gab es Weine von biologisch erzeugenden (deutschen) Winzern. Ob Bioweine besser schmecken als konventionell erzeugte weiß ich nicht, aber diese hier waren jedenfalls sehr gut:

2013 Battenfeld-Spanier Grüner Sylvaner
Schöne Frucht, guter Sortentyp, Birne, prägnante Säure, frisch.
85

2013 Wittmann Westhofener Riesling
Kork :-(   Dagegen hilft auch kein Bio (Schraubverschluß schon…)

2010 Battenfeld-Spanier Hohen-Sülzen Riesling
Reifes Goldgelb. In der Nase reif, Zitrus, Botrytis, Kräftige Säure, Kräuter
87

2013 Kühling-Gillot Nierstein Riesling
Nase mineralisch, schön, gelbfruchtig. Am Gaumen zunächst etwas vordergründige Säure, dahinter schön gelbfruchtig. Wurde recht kontrovers beurteilt, mir gefiel der schlanke Stil und die schöne Frucht.
89

2007 Kühling-Gillot Nierstein Riesling
Goldgelb. Schöne, recht kräftige Nase, Zitrus, gelbe Früchte, spürbare Süße.
90

2013 Dr. Wehrheim Birkweiler Weisser Burgunder Buntsandstein
Sortentypische Nase, Birne. Am Gaumen säuregeprägt, spürbarer Alkohol (14%)
87

2011 Rebholz Weisser Burgunder “S”
Mittleres Gelb. In der Nase recht kräftig, kräutrig. Intensiv, cremig, schön, wenn auch nicht sehr differenziert.
89

2012 Dr. Wehrheim Mandelberg Weissburgunder GG
Nase intensiv, Birne, recht differenziert. Viel Schmelz, nachhaltig, schöne Frucht, passende Säure. Hervorragender Weissburugnder.
92

2012 Rebholz Mandelberg Weissburgunder GG
Nase nicht sehr intensiv, aber differenziert, kräutrig. Schöne Konzentration, recht differenziert. Wirkt trotz aller Kraft fast etwas verspielt.
91

2007 Bergdolt Mandelberg Weissburgunder GG
Nase kräftig, reif, etwas undifferenziert, leicht karamellig. Am Gaumen cremig, deutlich gereift. Hätte mir vielleicht vor 2-3 Jahren besser geschmeckt.
87

2003 Bürklin-Wolf Rechbächel Riesling
Goldgelb. Nase etwas muffig (wäre viellicht mit mehr Zeit verschwunden). Petrol, etwas gelbe Früchte, Vanille(?). Leicht bitter, sehr reif. Über den Zenit.

1999 Bürklin-Wolf Hoheburg Riesling
Goldgelb. Reife Frucht, malzig. In Ehren gereift, schöne Frucht, noch stützende Säure. Schön!
90

2010 Battenfeld Spanier Kirchenstück Riesling GG
Tolle Nase, gelbfruchtig, etwas Exotik, Ananas. Intensiv, sehr kräutrig, Zitrus, in sich ruhend, schön!
92

2009 Christmann Mandelgarten Riesling GG
Schöne Nase, Kräuter, Ananas. Opulent, cremig, würzig-kräutrig, fruchtsüß.
91

2010 Kühn St. Nikolaus Riesling GG
Goldgelb. In der Nase noch dezent, sehr sauber, kompakt, Apfel. Am Gaumen straff, tolle Frucht, Apfel, ideale Säure, puristisch, elegant. Für mich der Wein des Abends, sehr straight.
94

2010 Kühn Oestricher Lenchen Riesling Spätlese
Nase schön, aber “leise”. Mineralisch, gelbfruchtig, schlank, tolle Säure. Sehr geradlinig und mit Zukunft.
90

Reise in ein unbekanntes Land

Natürlich kennen wir alle das und den Beaujolais. Aber der Ruf seiner Weine ist so schlecht, dass sich kaum jemand damit näher befassen mag. Eine Probe der “Kölner Seilschaft” bot nun Gelegenheit, eine Bildungslücke zu schließen und Vorurteile zu bestätigen oder zu beseitigen.

2009 Favelay Beaujolais Villages
Leichtendes Rot
In der Nase etwas Gummi (eine schwer zu beschreibende Note, die ich als störend empfinde und die sich bei einigen Weinen der Probe fand), dunkelfruchtig, rustikal
Am Gaumen angenehme Frucht, wenig Gerbstoff, wieder rustikal, eher kurz
84, trinken

2009 Fessy Saint Amour
Recht helles Rot
Nase recht tief, dunkelfruchtig
Harmonisch mit dezenter Frucht
86, trinken

2008 Foillard Fleurie
Ziemlich helles Rot
Zunächst etwas Gummi, kräutrige Würze, Veilchen
Schön akzentuierte Frucht, im Abgang etwas stumpf wirkend
85, trinken

2011 Metras Fleurie vieilles vignes
Kräftiges Rot mit Violettnote
Schöne Frucht, die von einer Stallnote begleitet wird.
Am Gaumen weich, schöne Säure, schöne Frucht, die wieder von einer Stallnote begleitet wird. Am Ende der Probe noch einmal nachverkostet; die Stallnote ist dezenter geworden, der Wein wirkt eleganter
Insgesamt sehr umstritten. Von einigen wegen der Stallnoten als fehlerhaft angesehen, von anderen (darunter mir) durchaus geschätzt.
zunächst 85, später eher 88, -2016

2011 Metras Fleurie l’Ultime
Intensives Rot, auch hier mit Violettnote
In der Nase kräftig, am Gaumen säuregprägt und etwas flach wirkend.
80, trinken

2008 Desjourneys l’Interdit (von der Weinkontrolle als “untypisch” beurteilt und daher nicht als Fleurie vermarktet)
Kräftiges Rot mit erster Reife
Nase recht tief, Veilchen, dunkle Früchte
Auch am Gaumen dunkelfruchtig, samtig, Potential
88, bis 2018

2010 Fessy Brouilly
Leuchtendes Rot
In der Nase Kirsche, etwas Joghurt (?)
Am Gaumen säuregeprägt, recht kräftig, Kirsche
84, -2016

2012 Jadot Brouilly
In der Nase schöne Frucht, aber auch etwas parfümiert
Am Gaumen angenehm, aber einfach
82, bis 2015

2012 Burgaud Regnié Vallières
Schöne Nase, dunkle Frucht
Auch am Gaumen dunkelfruchtig, schön
86-87, bis 2015

2012 Lafont Julienas La Botterie
Schöne Nase, Kirschjoghurt
Schöne Kirschfrucht, sehr trinkig, charmant
86, bis 2015

2006 Chateau des Capitans Julienas
In der Nase etwas gezehrt, Noten kalter Asche
Reif, Tertiäraromen, Waldboden, über den Punkl
80? austrinken

2012 Thilardon Chenas Les Brocards
Sehr schöne Nase, elegant, dunkelfruchtig
Auch am Gaumen schön, prägnante Säure, trinkig
85, bis 2015

2012 Thilardon Chenas Chassignol
Schöne und spannende Nase, Blut, dunkle Früchte
Am Gaumen recht säuregeprägt
86

2011 Foillard Morgon
Schöne Nase, elegant und dunkelfruchtig
Sauber, fleischig, elegant
87, bis 2015

2011 Foillard Morgon Cote du Py
In der Nase etwas Stall, dahinter schöne und recht tiefe Frucht
Dunkelfruchtig, elegant
86, bis 2016

2012 Lapierre Morgon
In der Nase Gummi, etwas dropsige Frucht
Am Gaumen etwas uncharmant, aber trotzdem mit gewisser Eleganz
84, bis 2016

2011 Janin Moulin-à-Vent Clos du Tremblay
Kräftiges Violettrot
In der Nase unangenehme Gumminote
Setzt sich am Gaumen fort: Gummi, etwas Lakritz
83? bis 2016+

2011 Domaine Terres Dorées Moulin-à-Vent
In der Nase noch sehr jung wirkend
Kraftvoll, noch viel Tannin, etwa Lakritz, Potential
86+, 2015-2018+

2009 Chateau des Jacques Moulin-à-Vent
Schöne und spannende Nase mit Entwicklungspotential, recht tief, Blut
Kraftvoll, Eisen, noch verhaltene Frucht
88, 2016-2020+

2009 Chateau des Jacques Moulin-à-Vent Clos de Rochegrès
In der Nase komplex, mineralisch, dunkelfruchtig, elegant
Am Gaumen leicht “likörig”, schöne Frucht, komplex, Potential
90, 2016-2020+

Fazit: Es gab viele gut trinkbare Weine, aber wenig herausragendes (insbesondere auch angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Weine in der Preisklasse 15-30 € angesiedelt sind). Allgemein dürften sich die Weine eher als Essensbegleiter denn als Solisten eignen. Die Einschätzung, daß die Moulin-à-Vents die langlebigsten Beaujolais sind, bestätigte sich. Der für mich beste Wine der Probe, der 2009er Chateau des Jacques Moulin-à-Vent Clos de Rochegrès, wurde übrigens im Wine Advocat mit 93-94 Punkten bewertet und ist im Internet ab 25 Euro zu haben.

Klosterhof Schwedhelm 2013

Wir haben am Muttertag die Chance genutzt, im Rahmen der Jahrgangspräsentation direkt vor Ort den 2013er Jahrgang zu probieren. Alle Weine sind erwartungsgemäß noch jung. Die Jugend tut den Weinen aber gut, alle Weine sind frisch und schon trinkbar.

Am besten haben mir die Zellertal Weine gefallen:

  • Silvaner – frisch und unkompliziert; 85-86
  • Riesling – schöne Frucht, 86
  • Sauvignon Blanc – typische Stachelbeere & leichte Bitternoten, 86

Weißburgunder und Chardonnay konnten mich nicht ganz so überzeugen.

Von den ersten Lagen und von der großen Lage hat mir der Schwarze Hergott mit schönem Körper am besten gefallen. (88)

Bei den roten Weinen (2012) ist der Zellertal Spätburgunder eher lieblich und der Saint Laurent ziemlich zweigig.

1994 Sociando Mallet

Deutliche Reifezeichen im Glas; Cassis, Leder und Schuhcreme (nicht unangenehm) in der Nase. Der Wein hat einen maskulinen und animalischen Charakter und wird von noch deutlich vorhandenen Tanninen getragen, gepaart mir Restfrucht.

88 / jetzt trinken