Archiv für den Monat: August 2013

Ruwer 2012: Karthäuserhof versus Maximin Grünhaus

An einem auch ansonsten sehr gelungenen und vergnüglichen Freitagabend ging es einer Auswahl 2012ern von Karthäuserhof und der von Schubertschen Schloßkellerei an den Korken. Hier meine Eindrücke:

2012 Karthäuserhof Schieferkristall (Kabinett) trocken
In der Nase zurückhaltend, feine Frucht, Stachelbeere.
Auch am Gaumen dezent, feine Frucht, dominante Säure, die den Wein insgesamt etwas säuerlich wirken läßt.
82-84, bis 2015

2012 von Schubert Abtsberg (Kabinett) trocken
Verhaltene Nase, recht “ruhig”, Kräuter
Noch etwas ungestüm, prägende Säure, etwas mehr Körper (und auch mehr Alkohol – 12% im Vergleich zu 10.5%) als der Wein vom Karthäuserhof.
84-86, bis 2016

2012 von Schubert Abtsberg Alte Reben (Spätlese) trocken
In der Nase “ruhig”, gelbe Früchte, noch unentwickelt.
Pikante Säure, schöne Frucht, herbe Note.
87-89

2012 Karthäuserhof Alte Reben (Sptälese) trocken
Schöne Nase, recht ausgeprägt, gelbe Früchte.
Am Gaumen schöne Frucht, erfrischende Säure. Nur 11% Alkohol.
88-90, bis 2016

2012 Karthäuserhof Spätlese trocken Tyrell’s Edition
Zurückhaltende, aber sehr feine Nase.
Sehr pikant, animierende Säure, Potential
89-91, bis 2018

2012 von Schubert Abtsberg superior
Der hatte leider einen leichten Kork. Dürfte aber ein sehr schöner Wein mit eher feinherber Stilistik sein.

2012 von Schubert Abtsberg Spätlese
Sehr schöne Nase, gelbe Früchte, animierend.
Schöne Frucht, pikante Säure. Das dürfte ein echter Klassiker werden.
91-93, bis 2023

2012 Karthäuserhof Spätlese
Feine Nase, gelbe Früchte, Banane (?)
Schlanker, animierender Stil, dezent gelbfruchtig.
88-90, bis 2018

2012 von Schubert Abtsberg Auslese
Nase vielversprechend, gelbe Früchte.
Gelbe Früchte, cremige Textur, animierende Säure, die die Süße bestens puffert.
91-93, 2017-2025

2012 Karthäuserhof Auslese
Nase recht verhalten, mineralisch, gelbe Früchte, recht tief.
Sehr schön, wieder gelbe Früchte, animierende Säure.
90-92, bis 2020

2012 von Schubert Herrenberg Auslese -25-
Schöne Nase, etwas Karamell, gebrannte Mandeln (?)
Am Gaumen zunächst etwas diffuse Frucht, dramatisches Süße-Säure-Spiel, wieder etwas nussige Aromatik. Im Abgang auch wieder etwas Karamell.
90-92+, bis 2025

Und ein Nachtrag, am nächsten Tag verkostet:

2012 von Schubert Abtsberg Kabinett
Mittleres Gelb.
Nase von mittlerer Intensität, recht straffer Duft mit Noten von gelben Früchten und Zitrus.
Am Gaumen schöne Frucht, dezent wirkende Restsüße, die Säure (die sicher vorhanden ist), hält sich im Hintergrund, mittlere Länge.
88-90, bis 2018+

Fazit:

1) Toller Abend, tolle Weine
2) Einen klaren Sieger auf Weingutsebene gibt es für mich nicht
3) Die Abtsberg Spätlese ist für mich ein “must buy” – eine großartige Spätlese, die mindestens 10 Jahre lang Spaß machen dürfte

Man lernt nie aus

2006 ist ein durchaus zwiespältiger Jahrgang in Deutschland. Durch Regen während der Ernte und einsetzende Fäulnis mußte schnell geerntet werden, es gab viel Botrytis. Trotzdem wird Helmut Dönnhoff (etwa im Gault Millau Weinführer 2008) mit der Aussage zitiert, 2006 sei “der beste Jahrgang seit 1971 und 1989 im fruchtigen Bereich”. Ganz nachvollziehen konnte ich das bislang nicht. Aber ich beginne zu verstehen:

2006 Norheimer Kirschheck Riesling Spätlese, Dönnhoff
Reifes Goldgelb.
In der Nase intensiv, aber gleichzeitig transparent wirkend, Noten von Tee, Honig und gelben sowie exotischen Früchten und einer Spur Pfeffer; sehr animierend.
Am Gaumen tolle Harmonie; Süße, Frucht und Säure sind zu einem Ganzen verbunden, ohne daß eine der Komponenten hervorträte. Auch am Gaumen transparent wirkend und bei aller Leichtigkeit intensiv und lang. Wirkt zeitlos und in sich ruhend. Das ist großes Riesling-Kino.
92, bis 2016+

Sauvignon für Ungläubige…

2010 Hermit on the Hill “The Infidel” Sauvignon blanc (Südafrika)

Kräftiges Gelb.
In der Nase sauber. Recht tiefe Aromen von Stachelbeere, Holunderblüte und eine an Steinstaub erinnernde Mineralik. Eigenständig und ziemlich weit weg von der typischen und gelegentlich etwas aufdringlichen New World Sauvignon-Aromatik.
Auch am Gaumen eigenständig; Stachelbeere und Johannisbeerblätter. Durchzogen von einer (durchaus angenehmen) bitteren Ader und ziemlich lang.
Ein sehr eigenständiger Charakterwein, der aber bestimmt nicht jedem gefallen wird.
90, bis 2015

PS: Ehre wem Ehre gebührt – den Hinweis auf den Wein habe ich hierher: http://wuertz-wein.de/wordpress/2013/08/09/herkunft-sudafrika-teil-3/#more-6192

RT Toskana – 2004 Brunello Il Poggione

Kaminrot und deutliche Reifezeichen

Fulminante Frucht, Rosinen, Kirsche, Trüffel, Tabakkistenholz … Kräftiger Körper, Tanine vorhanden aber nicht störend und dann ein schöner langer Abgang. Trinkgenuss, auch im Sommer!

93 / bis 2014

Karthäuserhof 2012

Die 2012er vom Karthäuserhof sind da…

Schieferkristall trocken
Zitrus und Gelbfrüchte, noch sehr spritzig. Sommerfrische! 10,5 %
87 / bis 2015

Tyrells Edition
Schöner Körper, wirkt reifer als Schieferkristall. Gelbruchtig.
88 / bis 2015

Alte Reben
Duft und Geschmack nach Bananen, etwas würzig. Substanzieller Körper, noch nicht entwickelt.
89 / ?

Riesling Kabinett
Mir persönlich ist der Wein zu rund, zu süffig.
87 / ?

Spätlese
Etwas fruchtiger als der Kabinett und nicht so süffig.
89 / ?

Aulslese
Noch verschlossen, Töne von Erdbeer, Rhabarber und weiteren exotischen Früchten. Sehr schön.
90 /?