Reise in ein unbekanntes Land

Natürlich kennen wir alle das und den Beaujolais. Aber der Ruf seiner Weine ist so schlecht, dass sich kaum jemand damit näher befassen mag. Eine Probe der “Kölner Seilschaft” bot nun Gelegenheit, eine Bildungslücke zu schließen und Vorurteile zu bestätigen oder zu beseitigen.

2009 Favelay Beaujolais Villages
Leichtendes Rot
In der Nase etwas Gummi (eine schwer zu beschreibende Note, die ich als störend empfinde und die sich bei einigen Weinen der Probe fand), dunkelfruchtig, rustikal
Am Gaumen angenehme Frucht, wenig Gerbstoff, wieder rustikal, eher kurz
84, trinken

2009 Fessy Saint Amour
Recht helles Rot
Nase recht tief, dunkelfruchtig
Harmonisch mit dezenter Frucht
86, trinken

2008 Foillard Fleurie
Ziemlich helles Rot
Zunächst etwas Gummi, kräutrige Würze, Veilchen
Schön akzentuierte Frucht, im Abgang etwas stumpf wirkend
85, trinken

2011 Metras Fleurie vieilles vignes
Kräftiges Rot mit Violettnote
Schöne Frucht, die von einer Stallnote begleitet wird.
Am Gaumen weich, schöne Säure, schöne Frucht, die wieder von einer Stallnote begleitet wird. Am Ende der Probe noch einmal nachverkostet; die Stallnote ist dezenter geworden, der Wein wirkt eleganter
Insgesamt sehr umstritten. Von einigen wegen der Stallnoten als fehlerhaft angesehen, von anderen (darunter mir) durchaus geschätzt.
zunächst 85, später eher 88, -2016

2011 Metras Fleurie l’Ultime
Intensives Rot, auch hier mit Violettnote
In der Nase kräftig, am Gaumen säuregprägt und etwas flach wirkend.
80, trinken

2008 Desjourneys l’Interdit (von der Weinkontrolle als “untypisch” beurteilt und daher nicht als Fleurie vermarktet)
Kräftiges Rot mit erster Reife
Nase recht tief, Veilchen, dunkle Früchte
Auch am Gaumen dunkelfruchtig, samtig, Potential
88, bis 2018

2010 Fessy Brouilly
Leuchtendes Rot
In der Nase Kirsche, etwas Joghurt (?)
Am Gaumen säuregeprägt, recht kräftig, Kirsche
84, -2016

2012 Jadot Brouilly
In der Nase schöne Frucht, aber auch etwas parfümiert
Am Gaumen angenehm, aber einfach
82, bis 2015

2012 Burgaud Regnié Vallières
Schöne Nase, dunkle Frucht
Auch am Gaumen dunkelfruchtig, schön
86-87, bis 2015

2012 Lafont Julienas La Botterie
Schöne Nase, Kirschjoghurt
Schöne Kirschfrucht, sehr trinkig, charmant
86, bis 2015

2006 Chateau des Capitans Julienas
In der Nase etwas gezehrt, Noten kalter Asche
Reif, Tertiäraromen, Waldboden, über den Punkl
80? austrinken

2012 Thilardon Chenas Les Brocards
Sehr schöne Nase, elegant, dunkelfruchtig
Auch am Gaumen schön, prägnante Säure, trinkig
85, bis 2015

2012 Thilardon Chenas Chassignol
Schöne und spannende Nase, Blut, dunkle Früchte
Am Gaumen recht säuregeprägt
86

2011 Foillard Morgon
Schöne Nase, elegant und dunkelfruchtig
Sauber, fleischig, elegant
87, bis 2015

2011 Foillard Morgon Cote du Py
In der Nase etwas Stall, dahinter schöne und recht tiefe Frucht
Dunkelfruchtig, elegant
86, bis 2016

2012 Lapierre Morgon
In der Nase Gummi, etwas dropsige Frucht
Am Gaumen etwas uncharmant, aber trotzdem mit gewisser Eleganz
84, bis 2016

2011 Janin Moulin-à-Vent Clos du Tremblay
Kräftiges Violettrot
In der Nase unangenehme Gumminote
Setzt sich am Gaumen fort: Gummi, etwas Lakritz
83? bis 2016+

2011 Domaine Terres Dorées Moulin-à-Vent
In der Nase noch sehr jung wirkend
Kraftvoll, noch viel Tannin, etwa Lakritz, Potential
86+, 2015-2018+

2009 Chateau des Jacques Moulin-à-Vent
Schöne und spannende Nase mit Entwicklungspotential, recht tief, Blut
Kraftvoll, Eisen, noch verhaltene Frucht
88, 2016-2020+

2009 Chateau des Jacques Moulin-à-Vent Clos de Rochegrès
In der Nase komplex, mineralisch, dunkelfruchtig, elegant
Am Gaumen leicht “likörig”, schöne Frucht, komplex, Potential
90, 2016-2020+

Fazit: Es gab viele gut trinkbare Weine, aber wenig herausragendes (insbesondere auch angesichts der Tatsache, dass mehr als die Hälfte der Weine in der Preisklasse 15-30 € angesiedelt sind). Allgemein dürften sich die Weine eher als Essensbegleiter denn als Solisten eignen. Die Einschätzung, daß die Moulin-à-Vents die langlebigsten Beaujolais sind, bestätigte sich. Der für mich beste Wine der Probe, der 2009er Chateau des Jacques Moulin-à-Vent Clos de Rochegrès, wurde übrigens im Wine Advocat mit 93-94 Punkten bewertet und ist im Internet ab 25 Euro zu haben.